Canettis Lebenschronik
 
   
1905
  Elias CANETTI wird am 25. Juli als erstes Kind von Mathilde (geb. Arditti) und Jacques Canetti in Rustschuk (Bulgarien) geboren.  
1906
  Mit den Eltern und den jüngeren Brüdern Nissim und George übersiedelt er nach England.  
1912 Am 8. Oktober, bei Ausbruch des Balkankrieges, stirbt Canettis Vater unerwartet im Alter von 31 Jahren.
Canetti besucht die Schule in Manchester.
1913
  Sommeraufenthalt in Lausanne; die Mutter bringt dem achtjährigen Elias Deutsch bei.
Im Herbst zieht Mathilde Canetti mit ihren Söhnen nach Wien. Elias besucht die Volksschule.
 
1914
  Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Der junge Canetti erlebt die Begeisterung der Massen auf den Straßen Wiens.  
1916
  Die Familie Canetti übersiedelt in die neutrale Schweiz.  
1917
  Der junge Canetti besucht das Realgymnasium der Kantonschule Zürich.  
1921
  Auf Drängen der Mutter geht der polyglott erzogene Canetti allein nach Frankfurt am Main; er besucht bis zum Abitur (1924) das Kölner Realgymnasium.  
1924
  Canetti übersiedelt nach Wien. Beginn des Studiums mit Hauptfach Chemie an der Universität Wien.
Im April erster Besuch einer Vorlesung von Karl Kraus, in der er Veza Tauber-Calderon, die später seine Frau wird, kennen lernt.
 
1925
  Erste Überlegungen über das Phänomen der Massen.  
1927
  Am 15. Juli Brand des Justizpalastes in Wien. Canetti beobachtet wichtige Massenverhalten.  
1928
  Sommeraufenthalt in Berlin. Canetti begegnet Bertold Brecht, Isaak Babel und George Grosz.
Der Aufsatz Upton Sinclair wird 50 Jahre alt wird in Der Querschnitt, Heft 10, S. 736 veröffentlicht.
 
1929
  Im Frühjahr promoviert Canetti zum Dr. phil. nat. an der Universität Wien.  
1930
  Canetti konzipiert die unvollendete Reihe von Romanen Comédie Humaine an Irren.  
1930
  Canettis Übersetzungen von Upton Sinclair, Leidweg der Liebe und Das Geld Schreibt. Eine Studie über die amerikanische Literatur erscheint in Berlin (Malik).  
1931
  Nach einjähriger Arbeit schließt Canetti im Herbst den Roman Kant fängt Feuer, später Die Blendung ab.
Er beginnt mit der Arbeit an dem Drama Hochzeit.
 
1932
  Der Theaterverlag von Fischer übernimmt das Drama Hochzeit.
Die Übersetzung von Upton Sinclairs Alkohol erscheint in Berlin (Malik).
Begegnung mit Hermann Broch.
 
1934
  Canetti nimmt an Hermann Scherchens Sommertagung für Moderne Musik in Straßburg teil.
Begegnung mit Fritz Wotruba, Robert Musil, Alban Berg, Georg Merken und Abraham Sonne.
Er beginnt mit der Arbeit an der Komödie der Eitelkeit.
 
1934
  Canetti und Veza Tauber-Calderon heiraten.  
1935
  Die Canettis ziehen in die Himmelstraße 30 nach Wien-Grinzing.  
1936
  Die Blendung erscheint in Wien, Leipzig, Zürich (Reichner).
Rede zu Brochs 50. Geburtstag.
Die Blendung erscheint in tschechischer Übersetzung (Zaselpeni, L.-Malzác-Verlag), aus diesen Anlass besucht Canetti Prag.
 
1937
  Am 15. Juni stirbt Canettis Mutter Mathilde in Paris.
Canetti arbeitet an dem unveröffentlichten Roman Tod-Feind.
 
1938
  Einmarsch Hitlers in Wien am 13. März. Im November verlassen Elias und Veza Canetti Wien, zunächst gehen sie nach Paris.  
1939
  Niederlassung in London.
Canetti arbeitet ausschließlich an der kulturanthropologischen, philosophischen und sozialhistorischen Studie Masse und Macht.
 
1942
  Als Gegengewicht zur Beschäftigung mit Masse und Macht beginnt Canetti mit der fortlaufenden Niederschrift von Aufzeichnungen.  
1946
  Autoda fé (Die Blendung) erscheint in New York (A.A. Knopf).  
1948
  Die Blendung erscheint in deutscher Neuausgabe in München (Weismann). Der Roman bleibt weiterhin unbeachtet.  
1949
  Le Tour de Babel (Die Blendung) erscheint in Grenoble und Paris (B. Arthaut). Canetti wird dafür mit dem Prix International ausgezeichnet.  
1950
  Das Stück Komödie der Eitelkeit, Drama in drei Teilen, erscheint in München (Weismann).  
1952
  Niederschrift des Dramas Die Befristeten.  
1954
  Reise nach Marrakesch. Nach der Rückkehr Aufzeichnungen über die Reise.  
1955
  Die Monographie Fritz Wotruba erscheint in Wien (Rosenbaum), mit einem Vorwort von Klaus Demus.  
1956
 
The Numbered (Übersetzung des Dramas Die Befristeten) wird am 6. November an der Oxford Playhouse Company durch Minos Volnakis uraufgeführt.
In Wort in der Zeit II, S.206 ff., erscheint der Essay Marroko.
 
1960
  Canettis Zentralopus Masse und Macht erscheint in Hamburg (Classen).  
1962
  Die Werkauswahl mit unveröffentlichten Texten Welt im Kopf erscheint in Graz und Wien (Stasny) mit einer Einleitung von Erich Fried.
Crowds and Power (Masse und Macht) erscheint in London (Victor Gollanncz).
 
1963
  Im Mai stirbt Veza Canetti.  
1964
  Die Dramen Hochzeit, Komödie der Eitelkeit und Die Befristeten erscheinen als Sammlung in München (Hanser).  
1965
  Die Aphorismensammlung Aufzeichnungen 1942-1948 erscheint in München (Hanser).
Am 6. Februar wird am Staatstheater Braunschweig die Komödie der Eitelkeit uraufgeführt. Das Publikum reagiert mit Protesten.
Am 3. November wird die Hochzeit am Staatstheater Braunschweig uraufgeführt. Zuschauerproteste und anonyme Anzeigen wegen "Erregung geschlechtlichen Ärgernisses".
 
1966
  Verleihung des Literaturpreises der Stadt Wien und des Deutschen Kritikerpreises.
Masse et puissance (Masse und Macht) erscheint in Paris (Gallimard).
 
1968
  Publikation von Die Stimmen von Marrakesch. Aufzeichnungen nach einer Reise in München (Hanser).
Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises. Die Rede anlässlich dieses Preises, Unsichtbarer Kristall, erscheint in Literatur und Kritik, Heft 22, S. 665-67. Brief an Fritz Arnold erscheint in Hanser Bulletin, Heft 50.
 
1969
  Canetti erhält den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der schönen Künste.
Der andere Prozess. Kafkas Briefe an Felice erscheint in München (Hanser).
 
1970
  Alle vergeudeten Verehrungen. Aufzeichnungen 1949-1972 erscheint in München (Hanser).  
1971
  Canetti beginnt die Arbeit an seiner Autobiographie.
Sein Bruder Georges stirbt in Paris.
Heirat mit Hera Buschor.
 
1972
  Ihre Tochter Johanna wird geboren.
Publikation der Sammlung Die gespaltene Zukunft. Aufsätze und Gespräche in München (Hanser).
Macht und Überleben. Drei Essays erscheint in Berlin (Literarisches Colloquium).
Canetti erhält den George-Büchner-Preis.
Massa e potere (Masse und Macht) erscheint in Mailand (Rizzoli).
 
1973
  Die Provinz des Menschen. Aufzeichnungen 1942-1972 erscheint in München (Hanser).
Das Chaos des Fleisches erscheint in Stuttgart (Alfred Hrdlicka: Acht Radierungen zu Elias Canettis Masse und Macht, Edition Galerie Valentin).
 
1974
  Publikation von Der Ohrenzeuge. Fünfzig Charaktere in München (Hanser).
Brief an Thomas Mann. 29.10.1935 erscheint in Zürich (Blätter der Thomas-Mann-Geselschaft, Heft 14, S. 22 f.).
 
1975
  Canetti erhält den Franz-Nabl-Preis und den Nelly-Sachs-Preis.
Das Gewissen der Worte. Essays erscheint in München (Hanser).
Publikation von Der Überlebende (Auswahl aus Masse und Macht) in Frankfurt am Main (Suhrkamp).
 
1977
  Publikation des ersten Teils der Autobiographie Die gerettete Zunge. Geschichte einer Jugend in München (Hanser).
Verleihung des Gottfried-Keller-Preises.
 
1978
  Kleiner Text über die Plastik erscheint in Der Georg-Büchner-Preis 1951-1978, Darmstadt, S. 274 ff.  
1980
  Der zweite Teil der Autobiographie Die Fackel im Ohr. Lebensgeschichte 1921-1931 erscheint zu Canettis 75. Geburtstag in München (Hanser).
Figuren im Entstehen - und ihre Ewigkeit erscheint in Merkur, Heft 7, S. 673 ff.
Kleiner Dialog über die Plastik erscheint in Akzente, Heft 3, S. 193 ff.
 
1981
  Verleihung des Franz-Kafka-Preises.
Canetti erhält den Nobelpreis für Literatur, seine Rede bei der Verleihung "Lebenslange Lehre" erscheint in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 12. Dezember 1981.
Das Zimmer in Wien und Dank erscheinen in Literatur und Kritik, Heft 160.
 
1983
  Canetti erhält das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.  
1985
  Publikation des dritten Teils der Autobiographie Das Augenspiel. Lebensgeschichte 1931-1937 in München (Hanser).
Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Wien.
 
1987
  Das Geheimherz der Uhr. Aufzeichnungen 1973-1985 erscheint in München (Hanser).  
1992
  Die Fliegenpein. Aufzeichnungen erscheint in Hamburg (Hanser).  
1994
  Elias Canetti stirbt am 14. August in Zürich; er erhält ein Ehrengrab der Stadt Zürich neben James Joyce.
Nachträge aus Hampsteat. Aufzeichnungen erscheint posthum in Hamburg (Hanser).
 
1996
  Aufzeichnungen 1992-1993 erscheint posthum in Hamburg (Hanser).  
   
 
Text: John Pattillo-Hess
Zeichnung: Patricio Handl
 
   
   
   
   

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